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Inkontinenz

Inkontinenz bedeutet das Unvermögen etwas zurückzuhalten, z.B. Harninkontinenz und Stuhlinkontinenz.

Harninkontinenz:
Von den in Deutschland mit einer behandlungs- oder versorgungsbedürftigen Harninkontinenz lebenden Menschen sind mehr als zwei Millionen älter als 60 Jahre, bei den über 80-jährigen sind es sogar nahezu 30%. Harninkontinenz ist eine der häufigsten Gründe für die Einweisung in ein Pflegeheim. Grundsätzlich sind Frauen wesentlich häufiger von Inkontinenz betroffen als Männer, auch im Senioren- und Greisenalter.
Die Harninkontinenz wird unterteilt in 5 Hauptgruppen. Im Einzelnen sind das:

Diese Einteilung bezieht sich vorrangig auf die Symptomatik, erst in den letzten Jahren wird Inkontinenz auch als eigenständige Krankheit mit möglicherweise unterschiedlichen Ursachen (bezogen auf die beteiligten Organe) angesehen. Ihre Ursachen können an/in der Blase, (selten) den harnbildenden Organen Niere, den beteiligten Nervensträngen (Reiz und Erregungsleitung) und der Reizverarbeitung im Gehirn liegen. Dementsprechend liegt bei der Harninkontinenz eigentlich jeweils eine andere Grunderkrankung vor. Oft finden sich auch Kombinationen wie zum Beispiel eine Mischung aus Drang- und Stressinkontinenz.

Stressinkontinenz/ Belastungsinkontinenz
Bei einer Belastungsinkontinenz löst der erhöhte Bauchinnendruck durch körperliche Belastung/ Anstrengung, Pressen aus den verschiedensten Gründen wie z.B. Heben, Tragen, sich Vorbeugen, Treppensteigen, Lachen, Husten, Niesen den mehr oder weniger ausgeprägten Harnverlust aus. Es werden drei Schweregrade unterschieden:

1. Grad: Inkontinenz beim Husten, Niesen
2. Grad: Inkontinenz bei abrupten Körperbewegungen, beim Aufstehen, Hinsetzen
3. Grad: Inkontinenz bei unangestrengten Bewegungen, im Liegen

Dranginkontinenz
Der nicht unterdrückbare imperative Harndrang führt zum Urinverlust, bevor die Toilette erreicht ist. Dies kann verschiedene Ursachen haben:

Überlaufinkontinenz
Die Überlaufinkontinenz entsteht durch eine ständig übervolle Harnblase infolge von Abflussstörungen. Da der Binnendruck schließlich den obstruktiven Verschlussdruck übersteigt, kommt es zum ständigen Harnträufeln.

Reflexinkontinenz
Die Reflexinkontinenz entsteht durch eine Störung oder Zerstörung der vom Gehirn ausgehenden Hemmungsbahnen und damit zu einem Überwiegen der Aktivitätsimpulse des Reflexbogens zwischen Harnblase und Blasenzentrum im Kreuzteil des Rückenmarks. Diese führen zu reflexartigen Detrusor- Kontraktionen mit Harnabgang. Ein solcher Zustand tritt beispielsweise etwa nach einer Querschnittslähmung oberhalb des Blasenzentrums aus. Degenerative zentralnervöse Veränderungen, etwa bei Demenzkranken können den gleichen Effekt zeigen.

Extraurethrale Inkontinenz
Bei einer extraurethralen Inkontinenz erfolgt der Harnabgang aus Öffnungen, die den normalen Weg des Harntraktes umgehen. Mögliche Ursachen sind ein ektop mündender Harnleiter (Ureter) beim Mädchen meist in Kombination mit einer Doppelnierenanlage.
Eine extraurethrale Inkontinenz kann sich bei Erwachsenen durch die Bildung von Urinfisteln entwickeln. Sehr häufig sind Frauen betroffen, bei denen sich eine Fistel bildet zwischen den ableitenden Harnwegen und den Geschlechtsorganen. Ursache für die Fistelbildung sind Operationen, Geburten, Bestrahlungen, Verletzungen oder primäre Blasenerkrankungen. Da der Schließmuskel bei der extraurethralen Inkontinenz umgangen wird, geht bei dieser Form der Inkontinenz ständig und gleich bleibend stark Urin über die Fistel ab.

Stuhlinkontinenz
Stuhlinkontinenz ist die Unfähigkeit, seinen Stuhlabgang oder Winde willkürlich zurückzuhalten. Sie betrifft Menschen aller Altersgruppen, kommt aber häufiger bei älteren Menschen vor.

Folgende Ursachen können eine Stuhlinkontinenz auslösen:

Störung der Impulsverarbeitung: Schlaganfall, Morbus Alzheimer, Multiple Sklerose, Gehirntumor.
Unterbrechung der Pulsüberleitung: Querschnittslähmung, Multiple Sklerose.
Sensorische Störung: Haemorrhoiden-OP (weil hierbei sensible Schleimhaut des Darms entfernt wird), Diarrhoe, Dickdarmentzündung,
Muskuläre Störung: Tumoren, Tumor- OP Fistelspaltung Infiltrierende Abszesse Beckenbodensenkung (häufige Alterserscheinung durch Bindegewebsschwäche und Abbau der Beckenmuskulatur, Operationen an der Gebärmutter) Überdehnung durch Obstipation Angeborene Fehlbildung
Medikamente: Psychopharmaka Abführmittel in hoher Dosierung (z.B. Paraffin)
Psychische/psychiatrische Störung: Rückfall in kleinkindliche Verhaltensweisen (Psychosen) Konflikte mit Betreuungspersonen

Stuhlinkontinenz ist häufiger als man zunächst vermuten möchte. Es leiden darunter immerhin ca. 1-3 Prozent der Bevölkerung, in der Bundesrepublik Deutschland mindestens 800.000 erkrankte Personen. Davon betroffen sind alle Jahrgänge, jedoch nimmt die Häufigkeit mit dem Alter stark zu. Frauen und Männer sind etwa gleich stark betroffen, mit einem leichten Übergewicht bei Männern. Nicht jeder Patient ist gleich betroffen, daher unterscheidet man bei der Stuhlinkontinenz zwischen verschiedenen Schweregraden:

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