Enkeltrickserie aufgeklÀrt - TatverdÀchtige gingen der Kripo ins Netz
Montag, den 25. Februar 2008Mitte Dezember ereigneten sich in Eberswalde insgesamt fĂŒnf FĂ€lle des sogenannten âEnkeltricksâ
wovon die TÀter zwei Mal zum Ziel kamen und in einem Fall mehrere hundert Euro und in einem anderen Fall sogar mehrere tausend Euro, zum Nachteil einer 83-jÀhrigen und einer 84-jÀhrigen Eberswalderin, erbeuteten.
Wie die laufenden Ermittlungen ergaben, waren diese TĂ€ter zuvor auch in der Uckermark mit gleichem Modus Operandi in Erscheinung getreten.
Dort konnte mit Hilfe einer GeschĂ€digten ein Phantombild des âBotenâ (TĂ€ter, der das Geld abholt) erstellt werden. Eine GeschĂ€digte aus Eberswalde erkannte darauf den TĂ€ter, der ihr das Geld abgenommen hatte, wieder.
In der Vergangenheit war es so, dass die TĂ€ter nach relativ kurzer Zeit den Aktionsbereich wieder verlieĂen und sich andere Tatortbereiche aussuchten. Zudem agierten sie geschickt und Ă€uĂerst vorsichtig. Sie zogen sich von ihren potenziellen Opfern sofort zurĂŒck, sobald sich fĂŒr sie eine nicht zweifelsfreie Situation oder Personenbewegung im Tatortbereich ergab. Unter anderem erschwerte dieser Tatbestand besonders die Möglichkeit die TĂ€ter zu ergreifen. Es gab Anhaltspunkte, dass es sich um polnische TĂ€ter handeln könnte.
In der Planung, Vorbereitung und TatausĂŒbung wurde deutlich, dass die TĂ€ter organisiert, zielgerichtet und professionell vorgingen. Mit nahezu schauspielerischen FĂ€higkeiten wickelten sie ihre Opfer ein, um sie zu tĂ€uschen.
Die Hauptzielgruppe der TĂ€ter sind Seniorinnen im fortgeschrittenen Alter. Doch wie in einem der Eberswalder FĂ€lle deutlich wurde, fallen auch weit jĂŒngere Menschen auf sie herein. So war es offenbar nur Zufall, dass eine 54-jĂ€hrige Eberswalderin, die das Geld fĂŒr den vermeintlich in Not geratenen âSchwiegersohnâ bereits von der Bank abgehoben hatte, verschont blieb. Irgendetwas hatte die TĂ€ter verunsichert, denn sie meldeten sich nicht mehr, um das Geld in Empfang zu nehmen.
Offensichtlich waren die TĂ€ter, nachdem sie sich aus dem Eberswalder Raum zurĂŒckgezogen hatten, in Richtung Mecklenburg-Vorpommern vorgedrungen und agierten hier auf dieselbe Weise, denn wie inzwischen bekannt wurde sind zwei TatverdĂ€chtigen Mitte Januar dieses Jahres der Kriminalpolizei in Mecklenburg-Vorpommern/Neubrandenburg endlich ins Netz gegangen.
Der Zugriff gelang am 15.01.2008, nachdem in Neubrandenburg mehrere Versuche des âEnkeltricksâ unternommen wurden. Die TĂ€ter hatten sich an diesem Tag in den Vormittags- und Mittagsstunden eine 82-jĂ€hrige und eine 85-jĂ€hrige Neubrandenburgerin als potenzielle Opfer ausgesucht. Jedoch waren die beiden Frauen durch die Medien sensibilisiert und informierten rechtzeitig die Polizei.
SchlieĂlich konnten die beiden TatverdĂ€chtigen durch operativ-taktische MaĂnahmen der Polizei in Mecklenburg-Vorpommern vorlĂ€ufig festgenommen werden.
Hierbei handelte es sich um zwei tatverdĂ€chtige polnische StaatsbĂŒrger im Alter von 32 und 56 Jahren.
AnschlieĂend wurden Anfragen an die Polizeien anderer BundeslĂ€nder gestartet, mit der Bitte um Informationsgewinnung zu den TatverdĂ€chtigen, denn die Beweislage war nicht ausreichend.
Diese Anfrage erreichte auch den zustÀndigen Ermittler unserer Kriminalpolizei der sofort reagierte und Kontakt zum Ermittler in Mecklenburg-Vorpommern aufnahm. Der Modus Operandi deckte sich mit unseren Erkenntnissen. Auch dass es sich bei den TatverdÀchtigen um Polen handelte, war ein Indiz, dass es sich hierbei um dieselben TÀter unserer letzten Serie handeln könnte. Das Phantombild aus der Serie der Uckermark und der Dezember-Serie in Eberswalde mit gleichem Modus Operandi wurde von unserem Ermittler KHM Bernd Katzfuà umgehend dem ermittelnden Kriminalbeamten zugesandt.
Als es ihm vorlag sagte dieser unserem Ermittler am Telefon: âKollege, ich denke die auf diesem subjektiven PortrĂ€t abgebildete Person sitzt gerade in der Vernehmung vor mir.â
Es handelte sich um den 56-jĂ€hrigen Polen der im Verlauf der weiteren Ermittlungen als âBoteâ identifiziert werden konnte. ZunĂ€chst anhand des Brandenburger Phantombildes und im Weiteren auch anhand von Lichtbildern der Neubrandenburger Kriminalpolizei, die den Eberswalder GeschĂ€digten vorgelegt wurden, was fĂŒr die BeweisfĂŒhrung von groĂer Bedeutung war. Zudem konnte ĂŒber die genutzten Handys der TatverdĂ€chtigen der telefonische Kontakt zu den Eberswalder GeschĂ€digten aus dem Eberswalder Raum nachgewiesen werden. Diese wichtigen Beweise fĂŒhrten u.a. dazu, dass zumindest der 56-jĂ€hrige TatverdĂ€chtige Haftbefehl erhielt. Er sitzt derzeit in Untersuchungshaft.
Der zweite TatverdĂ€chtige wurde wieder auf freien FuĂ gesetzt, die Voraussetzungen fĂŒr einen Haftbefehl waren nicht erfĂŒllt.
Inzwischen laufen die Ermittlungen weiter, um herauszufinden fĂŒr welche FĂ€lle der TatverdĂ€chtige noch in Frage kommt. Dazu arbeiten die Kriminalisten verschiedener BundeslĂ€nder auch mit der polnischen Polizei zusammen.
Trotz des Erfolges ist davon auszugehen, dass wir nicht entwarnen können, da es sich hierbei um eine höchstwahrscheinlich weiter agierende TĂ€tergruppe handelt und die Drahtzieher noch auf freiem FuĂ sind. Sie werden sich andere MittelsmĂ€nner suchen und weitermachen, denn leider kommen die TĂ€ter trotz der vielfachen Warnungen ĂŒber die Medien immer wieder zum Ziel.
Vor diesem Hintergrund ist die erhöhte Aufmerksamkeit und die Sensibilisierung gerade Ă€lterer MitbĂŒrger und MitbĂŒrgerinnen auch weiterhin sehr wichtig, denn wie der Ermittler aus Neubrandenburg uns mitteilte, gab es in Mecklenburg-Vorpommern inzwischen bereits einen erneuten Fall.
Indes arbeiten die Kriminalisten unermĂŒdlich daran, an den Kopf der Schlange heranzukommen.
Dazu ist die lĂ€nderĂŒbergreifende Zusammenarbeit der Polizei sehr wichtig, insbesondere aber auch die Zusammenarbeit mit der polnischen Polizei.
Quelle: Polizei Brandenburg

